Chronisch lymphatische Leukämie (CLL)
CLL (Chronische Lymphatische Leukämie) kurz erklärt
Die chronische lymphatische Leukämie ist eine der häufigsten Blutkrebserkrankungen bei älteren Menschen. In Deutschland erkranken jährlich etwa 4.000 bis 5.000 Menschen. Das durchschnittliche Alter bei Diagnose liegt bei etwa 70 Jahren.
Die Erkrankung darf man nicht mit einer akuten gleichsetzen. Die CLL schreitet nur langsam voran.
CLL in Zahlen
- Neuerkrankungen pro Jahr
- ca. 4.000 bis 5.000 in Deutschland
- Typisches Alter bei Diagnose
- etwa 70 Jahre
- Verlauf
- langsam fortschreitend
Im Folgenden finden Sie weitere Informationen zur CLL.
Was steckt hinter dem Wort Leukämie?
Leukämie heißt übersetzt „weißes Blut". Rudolf Virchow beschrieb die Erkrankung erstmals und beobachtete bei den betroffenen Patienten einen verminderten Anteil des roten Blutes bei einem deutlich vermehrten Anteil an weißem Blut.
Was ist die CLL nun genau?
Bei der CLL sind betroffen. Dies ist eine spezielle Gruppe der weißen Blutkörperchen. Gesunde B-Lymphozyten bilden die verschiedensten und schützen unseren Körper so vor Viren und Bakterien.
Um die Milliarden verschiedenen Antikörper zu produzieren, werden ständig neue B-Lymphozyten gebildet und gegen die vielen Krankheitserreger trainiert. Im Rahmen dieser häufigen Bildung entstehen immer wieder auch genetische Mutationen. Die meisten Zellen sterben dann ab. Je nach Genmutation kann es aber auch selten zu einem Wachstumsvorteil kommen. Die Zellen teilen sich häufiger als andere. Sie vermehren sich unkontrolliert. Mit der Zeit können sie die gesunden Zellen auch verdrängen – dann spricht man von einer CLL.
Warum habe ich eine CLL?
Die genauen Faktoren, die zur Entwicklung einer CLL führen, sind bis heute nicht gesichert.
Gesicherte Risikofaktoren sind:
- Das organische Lösungsmittel Benzol geht mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer CLL einher.
- Ein erhöhtes Risiko besteht zudem, wenn Verwandte ersten Grades an einer CLL erkrankt sind.
Symptome der CLL
Oft wird die CLL zufällig anhand erhöhter weißer Blutkörperchen bei einer Blutuntersuchung festgestellt, ohne dass der Betroffene zwingend Symptome hat.
Zu den klassischen Symptomen zählen sonst:
- Schwellung von Lymphknoten
- Allgemeine Schwäche
- Fieber
- Nachtschweiß
- Gewichtsverlust
- „Schlechte Blutwerte" (Blutarmut oder Absinken der Blutplättchen, die für die Gerinnung zuständig sind)
- Häufige Infekte
Wann behandelt man eine CLL?
Die CLL ist eine langsam fortschreitende Erkrankung. Ob eine Behandlung erfolgen muss oder nicht, richtet sich nach den Symptomen des Patienten und dem Stadium der Erkrankung.
Stadieneinteilung
Die Stadieneinteilung erfolgt nach Binet in 3 Gruppen:
- A – frühes Stadium: maximal 2 vergrößerte Lymphknoten, gute Blutwerte
- B – mittleres Stadium: mindestens 3 Lymphknotenvergrößerungen, gute Blutwerte
- C – fortgeschrittenes Stadium: schlechte Blutwerte
Keine Behandlung notwendig
Hat man selbst keine Beschwerden, kann man die Erkrankung oft auch nur beobachten. Hier wird dann von einem „watch and wait"-Prozedere gesprochen. Dies ist meist im Stadium A und B der Fall. In der Regel werden dabei beim Arzt regelmäßige Kontrollen des Blutes und der Lymphknoten im Abstand von 3 bis 6 Monaten durchgeführt.
Dieses Vorgehen konnte man zuletzt auch mittels einer Placebo-kontrollierten Studie bei Patienten mit einem höheren Risiko für ein Fortschreiten der CLL bestätigen (CLL12-Studie). Hier wurde eine Dauertherapie mit einer Tablettentherapie (Ibrutinib) mit einer Zuckertablette verglichen. Es zeigte sich, dass die sofortige Therapie nicht mit einem verlängerten Überleben einhergeht – die Patienten in beiden Gruppen lebten also gleich lang.
Behandlung notwendig
Eine Behandlung ist in folgenden Situationen notwendig:
- Schlechte Blutwerte (= Stadium Binet C)
- Symptome (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust)
- Schwere Müdigkeit, Abgeschlagenheit (Fatigue)
- Sehr große Milz (deutlich tastbar unterhalb des Rippenbogens)
- Sehr große Lymphknoten (über 10 cm)
Wie behandelt man die CLL?
In den letzten 10 Jahren hat sich die Art, wie man eine CLL behandelt, komplett geändert. Früher war die Chemotherapie das Mittel der Wahl zur Behandlung der CLL. Heute wird die CLL zunächst auf bestimmte molekulare Marker untersucht. Je nach Marker erfolgt dann eine maßgeschneiderte Therapie.
Heute bilden bestimmte Antikörper und Tabletten das Rückgrat der Therapie. Die Antikörper binden an einen spezifischen Oberflächenmarker auf den CLL-Zellen, der sehr spezifisch für diese Zellen ist. Antikörper werden entweder über die Vene oder in das Unterhautfett verabreicht. Die verschiedenen Medikamente in Tablettenform behindern Signalwege in den CLL-Zellen, die diese für das Wachstum brauchen.
Je nach Auswahl der Therapie ist diese zeitlich limitiert oder aber eine Dauertherapie.
Wie genau konnten klinische Studien die Therapielandschaft in der CLL ändern?
Um neue Medikamente zu testen, durchlaufen diese mehrere Phasen. Erst Phase-III-Studien dienen der Überprüfung, ob ein neues Medikament wirklich besser als der bisherige Standard ist.
In der CLL war die Resonate-2 eine solche Studie. Hier wurden 269 Patienten eingeschlossen. Bei jedem Patienten erfolgte „per Losentscheid" () der Einschluss in den Therapiearm mit Chemotherapie (Chlorambucil) oder in den Arm mit dem neuen Medikament (Ibrutinib). Die Patienten wurden dann in regelmäßigen Abständen beobachtet.
Betrachtet man die Überlebenskurven beider Arme nach 27 Monaten, so lebten nach 27 Monaten deutlich mehr Patienten im Ibrutinib-Therapiearm. Es sind Studien wie diese, die den Fortschritt in der Medizin vorantreiben.
Diese Informationen ersetzen kein Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
