AIEOP-BFM ALL 2017Rekrutierend

Gezielter gegen Leukämie: Weniger Chemotherapie, mehr Immuntherapie für Kinder und Jugendliche bei akuter lymphoblastischer Leukämie

Geschlecht
Frauen und Männer
Alter
0–17 Jahre
Studienart
Interventionell
Therapielinie
Erstlinie
Phase
Phase III

Worum geht es in dieser Studie?

Die akute lymphoblastische Leukämie (ALL) bei Kindern und Jugendlichen ist aufgrund intensiver Therapien mittlerweile sehr gut behandelbar. Allerdings geht von den eingesetzten Medikamenten auch ein Risiko für Nebenwirkungen (Toxizität) aus. Es gibt zudem mittlerweile die Möglichkeit, die Schwere und Prognose der ALL sehr gut einzuschätzen. Ziel der AIEOP-BFM ALL 2017-Studie ist es, die Therapie gezielter und verträglicher zu gestalten – unter anderem durch den Einsatz der Immuntherapie mit Blinatumomab anstelle stark belastender Chemotherapie bei Hochrisikopatienten. Zusätzlich werden weitere gezielte Medikamente wie Bortezomib und verlängerte Chemotherapiephasen bei bestimmten Untergruppen eingesetzt, um Rückfälle besser zu verhindern.. Patient*innen bis 17 Jahren mit einer noch unbehandelten ALL und bestimmten Varianten können an dieser Studie teilnehmen.

Studienablauf

Voraussetzungen

Diagnose: akute lymphoblastische Leukämie (ALL) oder akute Leukämie mit spezifischen genetischen Veränderungen (MPAL)

Alter: 0–17 Jahre

Therapielinie: Erstlinie / bisher keine Therapie

Wichtige Einschlusskriterien: unbehandet; Erstdiagnose vor Beendigung des 18. Lebensjahres

Zuteilung

Stratifizierung anhand von Markern und Randomisierung innerhab der definierten Risikogruppen

Behandlung

Nachbeobachtung

120 Monate

Ausführliche Beschreibung

Die akute lymphoblastische Leukämie (ALL) ist eine Form von Blutkrebs, die die Lymphozyten, eine Unterart der weißen Blutzellen, betrifft. Sie tritt gehäuft bei Kindern und Jugendlichen auf. Dabei produziert das Knochenmark eine große Anzahl entarteter unreifer Lymphozyten, die die normalen Blutzellen verdrängen und das Immunsystem schwächen. Die Erkrankung schreitet schnell voran und erfordert deshalb eine sofortige Behandlung. Die Standardtherapie für ALL besteht aus intensiver Chemotherapie und gegebenenfalls gefolgt von einer Stammzelltransplantation. Die Chemotherapie erfolgt gemäß Therapieprotokollen, die bereits gut etabliert sind. Allerdings haben Fortschritte in den Untersuchungsmöglichkeiten der ALL-Zellen gezeigt, dass es innerhalb der ALL große Unterschiede gibt in Bezug auf die Eigenschaften der ALL-Zellen. Deshalb könnten die betroffenen Patient*innen davon profitieren, wenn die Therapie individueller erfolgt und an die speziellen Eigenschaften der ALL-Zellen des jeweils betroffenen Patient*in angepasst wird.

In der Studie AIEOP-BFM ALL 2017 werden gezielt neue Medikamente eingesetzt, um die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit akuter lymphoblastischer Leukämie (ALL) zu verbessern. Eines dieser Medikamente ist Blinatumomab, ein sogenannter bispezifischer Antikörper. Er verbindet bestimmte Immunzellen (T-Zellen) direkt mit den Leukämiezellen, sodass das körpereigene Immunsystem die Krebszellen gezielt angreifen und zerstören kann – ganz ohne klassische Chemotherapie. Diese Immuntherapie wird besonders bei Patienten getestet, die ein hohes Rückfallrisiko haben oder schlecht auf die Standardtherapie ansprechen.

Ein weiteres Medikament ist Bortezomib, das in bestimmten Fällen zusätzlich zur Chemotherapie eingesetzt wird. Es blockiert einen wichtigen Eiweiß-Abbauweg in der Leukämiezelle, was diese anfälliger für die Behandlung macht – besonders wenn sie gegen übliche Medikamente resistent ist. Ziel dieser Ansätze ist es, die Heilungschancen zu verbessern und gleichzeitig die Nebenwirkungen der Therapie zu verringern.

Ziel der AIEOP-BFM ALL 2017 Studie (Phase-3-Studie) ist es, die Wirksamkeit und Sicherheit der verschiedenen Behandlungsprotokolle in Abhängigkeit vom individuellen Rückfallrisiko zu untersuchen. Das individuelle Risiko für das erneute Auftreten einer ALL nach der Therapie wird im Rahmen der Studie anhand einer ausführlichen Voruntersuchung bestimmt. Nach der Anfangsbehandlung werden die Patientinnen und Patienten anhand genetischer Merkmale, ihres Ansprechens auf die Therapie und der minimalen Resterkrankung (MRD) in verschiedene Risikogruppen eingeteilt. Diese Gruppen erhalten dann spezifische, auf ihr Rückfallrisiko abgestimmte Behandlungspläne.

Patient*innen mit einem besonders hohen Risiko bereits in der Frühphase erhalten zusätzlich zur Standardtherapie das Medikament Bortezomib, das die Krebszellen empfindlicher gegenüber der Behandlung machen soll. In der Hochrisikogruppe wird ein neuer Weg erprobt: Anstelle weiterer intensiver Chemotherapieblöcke wird die Immuntherapie mit Blinatumomab eingesetzt, um die Belastung durch die Therapie zu reduzieren und gezielt gegen resistente Leukämiezellen vorzugehen. Kinder und Jugendliche mit mittlerem Rückfallrisiko bekommen nach einer intensiveren Chemophase zusätzlich einen Zyklus Blinatumomab, um das Rückfallrisiko weiter zu senken. Bei T-Zell-ALL-Patienten, die zwar nicht zur Hochrisikogruppe zählen, aber nicht optimal auf die erste Therapie ansprechen, wird die zweite Behandlungsphase verlängert und in der Dosierung gesteigert, um möglichst alle Krebszellen zu erfassen.

Ziel dieser differenzierten Therapieansätze ist es, die Behandlung individueller und zielgerichteter zu gestalten: aggressiver bei hohem Risiko, schonender bei guter Prognose – immer mit dem Ziel, die Heilungschancen zu erhöhen und langfristige Nebenwirkungen zu verringern.

Die Behandlungen und Nachuntersuchungen im Rahmen der Studie erfolgen für bis zu 10 Jahre, in denen die Wirksamkeit der Therapie und das Auftreten von Nebenwirkungen durch die verschiedenen Medikamente untersucht werden. Entscheidend ist, ob oder wann die Erkrankung unter Therapie wieder zunimmt.

Patient*innen mit einer noch unbehandelten akuten lymphoblastischen Leukämie (ALL) oder MPAL (hier haben die Krebszellen charakteristische Eigenschaften von unterschiedlichen Zellen), welche vor Beendigung des 18. Lebensjahres diagnostiziert wurde, können an dieser Studie teilnehmen.

Fakten

  1. Welche Erkrankung: akute lymphoblastische Leukämie (ALL) oder MPAL.
  2. Krebs-Merkmale: neu diagnostiziert, nicht vorbehandelt.
  3. Was untersucht die Studie: Bewertung der Wirksamkeit und Nebenwirkungen von verschiedenen Behandlungsprotokollen.
  4. Ziel der Studie: Identifizierung der geeignetsten Therapieform unter Berücksichtigung des individuellen Risikoprofils.
  5. Wie lange dauert die Studie: bis zu ca. 10 Jahre nach Beginn der Studie.
  6. Studienmerkmale: Phase-3, randomisiert innerhalb definierter Risikogruppen, nicht verblindet.

Studienzentren

67 Studienzentren in Deutschland sind verzeichnet. Finden Sie ein Zentrum in Ihrer Nähe.

  • Universitätsklinikum Aachen AöR

    Pauwelsstrasse 30, 52074 Aachen

    Rekrutierend
  • I. Klinik für Kinder u. Jugendliche, Klinikum Augsburg, Hämatologie/ Onkologie

    86156 Augsburg

    Rekrutierend
  • Universitätsklinikum Augsburg

    Stenglinstrasse 2, 86156 Augsburg

    Aktiv, nicht rekrutierend
  • Charité – Universitätsmedizin Berlin

    Berlin

    Rekrutierend
  • Helios Klinikum Berlin-Buch GmbH

    Schwanebecker Chaussee 50, 13125 Berlin

    Status unbekannt
  • Klinikum Berlin-Buch II. Kinderklinik, Bereich Onkologie/Allg. Pädiatrie

    13125 Berlin

    Rekrutierend

Diese Liste ist nach bestem Wissen zusammengestellt, aber ohne Gewähr: Sie kann unvollständig sein, und der Rekrutierungsstatus eines Zentrums kann sich jederzeit ändern.

Medizinische Redaktion

  • Dr. med. Sebastian SommerFacharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie
  • PD Dr. med. Matthias FröhlichFacharzt für Innere Medizin, Immunologie, Notfallmedizin

Diese Beschreibung basiert auf dem öffentlichen Studienregister (NCT03643276) und wurde von unserer medizinischen Redaktion in verständliche Sprache übertragen. Ob eine Teilnahme für Sie infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt.